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Abschaltung Treffenliste

Vor 10 Jahren übernahm ich die Pflege der polyamory.ch Webseite, über die Zeit hatte ich viele gute Kontakte mit Menschen aus aller Welt, besuchte selbst viele der Stammtische und Treffen.
Es wurden immer mehr Treffen, immer weniger erfuhr ich davon, fand auch selbst neben Job und eigenem Leben Zeit, mich mit der notwendigen Musse um die Seite zu kümmern. Unterstuetzung war da, jedoch nicht in einem Masse, die eine umfassende Liste der Deutschsprachigen Treffen benötigen würde.
Ich habe mich dazu entschlossen, die Liste der Treffen und den Kalender per Ende Juni 2018 einzustellen und zukünftig auf polyamory.de zu verweisen. Der Rest dieser Site bleibt bestehen, sei es als Inspirationsquelle von Besuchern, sei es als Archiv der jungen Polykultur im Deutschsprachigen Raum um die Jahrtausendwende.

Beat Rubischon <beat@0x1b.ch>
polyleben:rainer:punkte
11 Punkte für erfüllte Liebesbeziehungen


  1. Was immer Du an Deinem Partner auszusetzen findest und/oder ändern möchtest – sei sicher, daß es zumindest auch ein Thema von Dir selbst ist. Dein Partner ist nicht falsch, und Du bist es auch nicht. Dies solltest Du stets im Blick behalten und Dich fragen, was Du selbst für Dich und Euch tun kannst, um die Situation zu verbessern. Das heißt jedoch nicht, daß Du allein die ganze Verantwortung für Euer Beziehungsglück zu tragen hast. Für Deinen Partner gilt nämlich das Gleiche.

  2. Lerne zwischen Schuld und Verantwortung zu trennen. Schuldgefühle zu haben nützt niemandem; sie binden lediglich psychische Energien, die besser zu Handlungen für die Veränderung nicht zufriedenstellender Situationen genützt werden sollten. Schuldgefühle lähmen Dich und Deinen Partner; Verantwortungsgefühl hingegen läßt Dich und ihn zielgerichtet handeln. Es entlastet alle Beteiligten.

  3. Achte darauf, keine Verantwortung für Dinge zu übernehmen, die allein in der Verantwortung Deines Partners liegen. Eine Liebesbeziehung ist eine Beziehung zwischen Menschen auf Augenhöhe. Niemand ist abhängig, aber auch nicht unabhängig vom anderen. Dieser scheinbare Widerspruch bedeutet: niemand ist von einem bestimmten Menschen abhängig, sondern nur – da wir Menschen nun mal Beziehungswesen sind – davon, daß es irgendeinen Menschen gibt, zu dem wir in Beziehung treten können. Laß Dich nicht manipulieren davon, daß jemand etwas anderes behauptet. Manipuliere nicht selbst, indem Du versuchst, Deine Verantwortung auf Deinen Partner abzuwälzen.

  4. Sprich über Deine Wünsche, Gefühle, Gedanken sowie Deine Vermutungen, welche davon Deinen Partner bewegen, statt vorauszusetzen und zu erwarten, daß er selbstredend das gleiche denkt wie Du. Er kann nicht in Deinen Kopf schauen. Glaube auch nicht, daß Du Deinen Partner besser kennst als er sich selbst. Du kannst nämlich auch nicht in seinen Kopf schauen. Fragt einander vielmehr aufrichtig, ob Ihr so denkt und fühlt, wie Ihr es voneinander vermutet. Vertraut einander auch die brüchigen, beunruhigenden, versponnenen Teile Eurer selbst an. Ihr werdet mit einiger Wahrscheinlichkeit einen recht anderen, neuen und spannenderen Menschen kennenlernen, als den, von dem Ihr glaubtet, mit ihm zusammenzusein. Und Ihr werdet neue Anteile in Euch selbst entdecken.

  5. Entgegen verbreiteter Meinung schadet es nichts, Deinen Partner mit anderen Menschen zu vergleichen, mit denen Du schon früher Erfahrungen gesammelt hast, um über ihn und Euch zusätzliche Klarheit zu gewinnen. Hüte Dich jedoch, die gefundenen Unterschiede oder Übereinstimmungen zu bewerten, oder gar anhand dieser Deinen Partner. Die Auffassung, Vergleiche schadeten nur, kommt einzig daher, daß kaum jemand einen Unterschied macht zwischen Vergleich und Bewertung. Sprich mit Deinem Partner über das Ergebnis Deiner Vergleiche. Dasselbe gilt, wenn Du Dich selbst mit anderen vergleichst.

  6. Du erkennst, wie wir alle, Dich auch selbst in Deinem Partner, und in dem Maß, wie Du ein ideales Bild Deiner selbst zu haben wünschst, wirst Du dieses auch in Deinem Partner gespiegelt wissen wollen, und ihn danach auswählen. Nun entspricht das Bild, das Du Dir von Dir selbst machst, keineswegs immer dem, wie andere Menschen - auch Dein Partner - Dich wahrnehmen. In dem Maß, wie diese beiden Wahrnehmungen voneinander abweichen, ist möglicherweise ein Mensch, der Dich sieht und dessen Erscheinung Dir eher zurückgibt, wie Du bist, statt wie Du gesehen werden willst, besser für Dich als Partner geeignet als einer, der Dich allzu unhinterfragt in Deinem Selbstbild bestätigt. Erwäge aus diesem Grund, auch einmal Partnerschaften einzugehen, die von Deinem Gegenüber stärker gewünscht werden als von Dir selbst, statt es, wie es in aller Regel geschieht, stets nur andersherum zu probieren. Du kannst dabei eine Menge über Dich und andere lernen.

  7. Jeder hat seinen privaten Raum, aber hege keine Geheimnisse oder gar Lügen. Du weißt, was für Dich und für Deinen Partner wichtig ist. Dies sollte er erfahren. Geheimnisse und Lügen trennen; sie lassen den Partner in einer irrealen, weil nicht den Tatsachen entsprechenden Welt leben, und somit auch die Liebesbeziehung irreal werden, die Du mit ihm hast. Lügen manipulieren, und selbst wenn Dein Partner sie nicht sofort durchschaut, so wird er sich mit der Zeit vage unwohl fühlen. Wenn Du glaubst, daß Eure Liebesbeziehung nur durch Lügen und Geheimnisse überleben kann, dann frage Dich, ob Du vielleicht mit dem für Dich falschen Partner zusammen bist, oder ob Du Angst vor einer nahen Beziehung hast.

  8. Jeder bestimmt über sich selbst. Wenn Dein Partner den Austausch mit Dir sucht, sei es über Gespräche, gemeinsame Unternehmungen oder Sexualität, dann ist es Deine Entscheidung, auf diesen Austausch einzugehen oder nicht. Achte auf Dich. Frage Dich jedoch im Falle einer Ablehnung, ob Du zu einem späteren Zeitpunkt darauf eingehen kannst. Wenn umgekehrt Dein Partner sich Dir verweigert, so frage ihn und Dich das gleiche. Dies ist wichtig, denn auf die Dauer können mangelnder Austausch und zurückgehaltene Wünsche Eure Beziehung zerstören. So wie Du das Recht auf Verweigerung hast, hat Dein Partner das Recht, Dich und Eure Beziehung zu verlassen. Liebe und Liebesbeziehungen sind Kinder der Freiheit. Doch beide brauchen auch Verbindung und Verbindlichkeit.

  9. Wenn der Gedanke an die Umsetzung Deiner oder Deines Partners Wünsche aufgrund der vorgestellten Folgen für Euch Dir oder ihm Angst machen, dann schaut, ob Ihr die Wünsche gemeinsam dennoch der Umsetzung wert findet. Sucht, wenn das klar ist, gemeinsam nach Regeln, die diese Umsetzung schrittweise soweit ermöglichen, daß die Angst davor nicht schon jeden Ansatz dazu im Keim erstickt. Diese Regeln sollten die Erfüllung der Wünsche im Kern ermöglichen, jedoch unter Bedingungen, die nicht gleich alles Bestehende hinwegfegen. Verdeutlicht Euch, daß solche Regeln nicht Gesetz sind, sondern jederzeit in gegenseitiger Übereinstimmung verändert werden können, sollten sie nicht länger nötig sein oder sich als nicht zielführend erweisen.

  10. Vergiß jede Vorstellung darüber, was in einer Liebesbeziehung als normal zu gelten hat. Die Liebe ist so vielgestaltig wie das Leben und die Menschen, denen sie begegnet. Der einzig gültige Maßstab ist Dein persönliches Glück, und das Deines Partners. Laß Dir nichts anderes einreden.

  11. Wenn Du Dich auf die Veränderungen und die Dynamik einer Liebesbeziehung einläßt, dann erwarte nicht zuviel auf einmal von Dir. Vergib Dir (und Deinem Partner), wenn Du mit Deinen selbstgesteckten Zielen und Ansprüchen einmal nicht Schritt halten kannst. Wenn Du Dich überforderst, wirst Du nur allzu leicht ungerecht. Gönne Dir Pausen, und genieße sie. Schau auf das, was Du schon erreicht hast, verglichen mit früher. Gefühle sind langsam, sie brauchen Zeit.

Rainer, August 2008

polyleben/rainer/punkte.txt · Zuletzt geändert: 07.09.2008 15:23 (Externe Bearbeitung)

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