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Abschaltung Treffenliste

Vor 10 Jahren übernahm ich die Pflege der polyamory.ch Webseite, über die Zeit hatte ich viele gute Kontakte mit Menschen aus aller Welt, besuchte selbst viele der Stammtische und Treffen.
Es wurden immer mehr Treffen, immer weniger erfuhr ich davon, fand auch selbst neben Job und eigenem Leben Zeit, mich mit der notwendigen Musse um die Seite zu kümmern. Unterstuetzung war da, jedoch nicht in einem Masse, die eine umfassende Liste der Deutschsprachigen Treffen benötigen würde.
Ich habe mich dazu entschlossen, die Liste der Treffen und den Kalender per Ende Juni 2018 einzustellen und zukünftig auf polyamory.de zu verweisen. Der Rest dieser Site bleibt bestehen, sei es als Inspirationsquelle von Besuchern, sei es als Archiv der jungen Polykultur im Deutschsprachigen Raum um die Jahrtausendwende.

Beat Rubischon <beat@0x1b.ch>
polyleben:harser:mary

Über Michael Mary

Mary ist Paartherapeut und ein sehr fleißiger Autor von Büchern, in denen er seine Erfahrungen als Therapeut in einen theoretischen Rahmen fasst. Die Bücher ähneln sich von der Struktur, decken aber einen weiten Bereich ab von individueller Selbstfindung, Krisenbewältigung, Mann-Frau-Beziehungsproblemen, Liebe, Sexualität.

Mary liest sich gut, er bemüht sich um eine klare, leichtverständliche Sprache, was ihm einen weiteren Leserkreis verschafft als anderen, mehr schwergewichtigen Texten über Liebe und Partnerschaft (Michael Lukas Möller z.B.). Er bringt seine Erkenntnisse auf den Punkt, in leichtverständlichen und teilweise provokanten Thesen, die einige seiner Bücher zu Bestsellern machten, insbesondere die „5 Lügen“. Die Schattenseite davon ist natürlich, dass alles unter den Tisch fällt, was ein wenig komplizierter ist. Das muss der Leser dann zwischen den Zeilen lesen.

Mary ist ein parteilicher Autor. Er schreibt seine Ansichten klar und unverblümt. Differenziertheit ist da kaum zu finden. Ich kann da nur empfehlen, das nicht ganz so heiß zu essen, wie es gekocht wird, „with a grain of salt“, wie im Englischen gesagt wird. So gelesen kann ich nämlich die Klarheit und Einfachheit der Thesen durchaus schätzen.

Mary ist ein rhetorischer Autor. Manche seiner Bücher sind sogar überwiegend auf den zornigen Widerspruch gegen andere Autoren aufgebaut, z.B. „Und sie verstehen sich doch!“ Das ist stellenweise nervig beim Lesen, besonders wenn man die Bücher der anderen nicht kennt, oder ihnen ohnehin nichts Besonderes abgewinnen kann. Ich kann da nur empfehlen, schnell drüberzulesen, und sich auf das zu konzentrieren, was den besonderen Wert der Bücher ausmacht, die kommentierten Fallbeispiele und die thesenhaften Schlussfolgerungen daraus. Die Rhetorik ist aber natürlich hochspannend, wenn man die kritisierten Ansichten gut kennt, und sich möglicherweise damit identifiziert.

Viele von Marys späteren Büchern sind geradezu Anti-Ratgeber. Das heißt, er will den Leser vom Wahn befreien, dass es einfache Methoden gibt, die wichtigsten Lebensprobleme zu lösen. Gewissermaßen ist das paradox, denn gleichzeitig sind sie auf ihre Weise dann genau wieder die Ratgeber, gegen die er sich wendet. Dieses Paradoxon ist im Grunde das Kernelement der Arbeit von Mary als Autor. Es ist auch eine implizite Aufforderung, auch die von ihm selbst aufgestellten Thesen nicht zu dogmatisch aufzufassen. Sie als Wegweiser zu benutzen, aber nicht als Ersatz dafür, den Weg dann auch selber zu gehen.

Marys Ziel ist das Erkennen der Grundgesetze von Liebe, Beziehung, Glück, Lebensplan usw. . Er beginnt meist damit, mit den fälschlicherweise angenommenen Grundgesetzen aufzuräumen. Aber anders als Dale Carnegie gibt er uns ein ganze Menge an stimmigen (so finde ich) Grundgesetzen und Ratschläge/Denkhilfen an die Hand.

An vielen Stellen zeigt sich, dass Mary Pragmatismus vs. Idealismus empfiehlt, aber hier zeigt sich ein weiteres Paradoxon. Denn im Grunde sind seine Bücher insgesamt gesehen ausgesprochen idealistisch, sie wollen dem Leser den Weg zu mehr Erfülltheit, Glück, Liebe, Zufriedenheit usw. eröffnen.

Polyamory und Mary

Mary spricht sich nicht offen für Polyamory aus, aber in seinem Wirken finden sich viele Anknüpfungspunkte. In der Öffentlichkeit hat er sich bei vielen eher christlich-konventionell denkenden Paartherapeuten und Lesern unbeliebt gemacht, indem er Swinging als durchaus akzeptable Lebensart ansieht, und das auch in Interviews bestätigt. Aber in seinen Büchern geht es weit darüber hinaus.

Die größten Anknüpfungspunkte zu Polyamory gibt es im Buch 5 Wege die Liebe zu leben. Im Weg 4, erste Beschreibung kommt ein Mensch zu Wort, der in langjährigen polyamourösen Beziehungnetzwerken lebt. Im Kontext der anderen Selbstbeschreibungen und auch in Marys Kommentaren kommt sehr deutlich zum Ausdruck, dass so eine Art zu leben zu den besten Möglichkeiten gehört, mit dem Grundwiderspruch von Bindung und Begehren umzugehen. Dieses Buch ist die Fortsetzung von „5 Liebeslügen“, welches die wichtigsten Gründe zusammenfasst, warum die sexuell ausschließliche dauerhafte Zweierbeziehung so schlecht funktioniert, und somit die Motivation beschreibt, warum wir uns mit Mehrfachbeziehungen und deren Machbarkeit auseinandersetzen. In eine ähnliche Richtung geht auch „Mythos Liebe“, ein Plädoyer für den authentischen Umgang mit der Liebe und gegen vorgegebene Dogmen. Sehr interessant sind die Ausführungen zur Ehrlichkeit in „Und sie verstehen sich doch!“, weil es einen wichtigen Grundpfeiler von Polyamory betrifft, und auch hier spricht sich Mary gegen Dogmatismus aus. Die Kommunikation in Liebesbeziehungen, die der Fokus des Buches sind, betrifft Poly-Beziehungen natürlich nicht weniger als monoamore. Auch die Herangehensweise zur Krisenarbeit um Buch „Das Leben lässt fragen wo du bleibst“ lässt sich direkt anwenden auf den Übergang einer monogamen Beziehung zu Polyamory: nicht das Leben ist falsch, sondern höchstens die einengenden Konzepte („Landkarten“), die wir davon gelernt haben, und es kommt darauf an, sie durch bessere, passendere zu ersetzen.

polyleben/harser/mary.txt · Zuletzt geändert: 13.06.2008 11:43 (Externe Bearbeitung)

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