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Abschaltung Treffenliste

Vor 10 Jahren übernahm ich die Pflege der polyamory.ch Webseite, über die Zeit hatte ich viele gute Kontakte mit Menschen aus aller Welt, besuchte selbst viele der Stammtische und Treffen.
Es wurden immer mehr Treffen, immer weniger erfuhr ich davon, fand auch selbst neben Job und eigenem Leben Zeit, mich mit der notwendigen Musse um die Seite zu kümmern. Unterstuetzung war da, jedoch nicht in einem Masse, die eine umfassende Liste der Deutschsprachigen Treffen benötigen würde.
Ich habe mich dazu entschlossen, die Liste der Treffen und den Kalender per Ende Juni 2018 einzustellen und zukünftig auf polyamory.de zu verweisen. Der Rest dieser Site bleibt bestehen, sei es als Inspirationsquelle von Besuchern, sei es als Archiv der jungen Polykultur im Deutschsprachigen Raum um die Jahrtausendwende.

Beat Rubischon <beat@0x1b.ch>
buecher:erwachsen_werden_in_liebesdingen

Erwachsen werden in Liebesdingen

von Karl Geck

Die neue Kunst der Partnerschaft

ISBN: 3530400181

Kommentar von Haluk am 21.11.2004

Buchauszug, Kapitel „Beziehungsdesign“:

Es wurde schon festgestellt: Unsere Welt stellt keine allgemein verbindlichen Normen und Wertvorstellungen mehr zur Verfügung dafür, wie eine richtige Beziehung zwischen Mann und Frau aussehen soll. Geblieben sind Allgemeinplätze und eine unüberschaubare Vielfalt mehr oder weniger verlockender Angebote jeder Art.

Es geht nicht darum, ob das Frühere deshalb besser war, weil bei aller Eingeengtheit die klar umrissenen Rollen- und Beziehungserwartungen als Leitplanken dienten, an denen man sich orientieren und festhalten konnte.

Es geht auch nicht darum, ob das Heutige besser ist, weil es unserem Begriff von Menschenwürde mehr entspricht, wenn Menschen das, was sie leben, aus freier Wahl in Eigenverantwortung wählen.

Das alles ist nicht die Frage.

Es ist auch nicht die Frage, ob wir diesem Sachverhalten zustimmen oder nicht.

Es ist so.

Es gab Jahrhunderte, in denen der gesellschaftliche Wandel sich dermaßen langsam vollzog, dass die Vorstellung, die Welt sei statisch, selbstverständlich erschien und jeder nur seinen ihm von Gott angewiesenen Platz einnehmen und die entsprechende Rolle so gut wie möglich füllen musste.

Inzwischen hat sich der Wandel so beschleunigt, dass wir - wenn wir außerhalb von uns etwas suchen, an das wir uns halten können - entweder desorientiert und verwirrt zurückbleiben oder aber ein so dickes Bollwerk um uns bauen, das wir uns von einem lebendigen Austausch mit der sich verändernden Wirklichkeit völlig isolieren. Dann werden jedoch unsere Liebesbeziehungen zu Mini-Sekten.

Bleibt also nichts anderes übrig als die Flucht nach vorne: Das Wählen und Nutzen dessen „was ist“, um meine Liebesbeziehungen mit ebenbürtigen, nicht abhängigen Gegenübern so zu entwerfen, dass ich in ihnen „Täter“ bin und nicht mehr oder weniger „Opfer“.

Das ist die Freiheit, Utopien zu verwirklichen.

Die Welt unserer Eltern und noch mehr die unserer Großeltern war eine Welt in der der Grossteil der Bevölkerung so hart und lange für eine relativ kargen und nie wirklich sicheren Lebensunterhalt arbeiten musste, das für Beziehungssehnsüchte jenseits des gerade normalen gar keine Zeit bleibt. Außerdem war die soziale Kontrolle so wirksam, das Ausbruchversuche meist in - im nachhinein romantisierten - Tragödien endeten.

Die „gute“ Nachricht also: Wir sind nicht nur ins Leere geworfen, sondern wir verfügen auch über Voraussetzungen, Strukturen und Handwerkzeug um aus dieser Leere etwas neues entstehen zu lassen, etwas nachdem wir uns immer gesehnt haben.

Die „schlechte“ Nachricht: wir sind dazu verdammt, Designer unserer eigenen Liebesbeziehungen zu sein. In welcher Form das auch wahrnehmen:

* Als das Zufallresultat des Zusammenwirkens meiner eigenen Biografie, des Dauerbombardements verschiedenster Beziehungsangebote und der gerade existierende Zielvorgaben meiner Subkultur;

* Als das angstbestimmte Abwerfen der eigenen Freiheit und die Unterwerfung unter einen nicht hinterfragbaren vorgeschriebenen Verhaltenscodex irgendeiner fundamentalistischen Gemeinschaft;

* Als stümperhaften Versuch, sich aus beliebigen Persönlichen und Gesellschaftlichen Versatzstücken eine Beziehungsleitlinie zu basteln.

Dann gibt es noch die Option des Künstlers beziehungsweise des Forschers, der eine Vision hat und wach, intensivst beteiligt und dennoch nicht identifiziert sich auf das Abendteuer einer experimentellen Beziehungsgestaltung, eines Beziehungsdesign einlässt. Zu dessen Verwirklichung, die nie garantierbar ist, braucht es leidenschaftliche Disziplin…

buecher/erwachsen_werden_in_liebesdingen.txt · Zuletzt geändert: 06.08.2014 18:07 von Cloudy Frankfurt

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