von Markus Meister
Hier einige Überlegungen, weshalb immer mehr Menschen „auf der Flucht“ sind und Zärtlichkeit, Liebe, Sinnlichkeit, Trost, Entfrustung, neue Optionen etc. beispielsweise im pseudovirtuellen Umfeld von Chats suchen. Die Scheidungsrate in der Schweiz beträgt über 40%, dabei werden eheähnliche Beziehungen nicht mitberücksichtigt. Ich gehe davon aus, dass die Trennungsrate dort noch höher ist. Mit anderen Worten, die allgemeine „Trennungsrate“ liegt wohl etwa bei geschätzten 70%! Gespräche mit Personen, welche geschieden, getrennt oder gerade in „Auflösung“ leben, ergaben bezüglich „weshalb“, „warum“ etc. folgendes: bei keiner Beziehung war es so, dass das gesamte „Beziehungsbündel“ gestört war, immer waren es einzelne, allerdings ganz unterschiedliche Beziehungselemente, welche ge-/zerstört waren und damit Anlass zur Trennung gaben. Summa summarum: Irgendetwas in unserer Gesellschaft stimmt da nicht mehr!
Es lässt sich folgendes „Schadensbild“ ableiten: Jede Trennung einer sog. festen Beziehung verursacht erhebliche Schäden und Kosten; im emotionalen und psychischen Bereich (Therapien, Kinderprobleme usw.), im sozialen Bereich (Fürsorge, Anwälte usw.), im infrastrukturellen Bereich (doppelte, bzw. mehrfache Wohnungsinfrastruktur, Versicherungswesen, private Mehrarbeit usw.) und im oekonomischen Bereich (vermindertes Leistungsvermögen am Arbeitsplatz u.ä.). Ich habe einfach spontan ein paar bedenkenswerte Elemente aufgeführt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Meine Thesen (nicht nach Prioritäten geordnet!): Eine zukunftsorientierte Gesellschaft muss sich, wenn sie „gesunden“ will, völlig neu orientieren und komplett andere Beziehungsformen im Partnerschaftsbereich entwickeln! Die Schäden sind im Moment zu gross, um einfach so weiterwursteln zu können. Die sexuelle Bindungskraft wird total überschätzt - trotzdem wird „Treue“ immer nur über dieses Element definiert! Was ist denn mit „Treue“ auf geistiger und seelischer Ebene - braucht es dort nicht auch Verlässlichkeit und Vertrauen? Nach meiner Ansicht könnte man das Wort „Treue“ aus dem Vokabular streichen und durch „Verlässlichtkeit“ ersetzen.
An Partner werden „aus Liebe“ in einzelnen Dingen viel zu oft Anforderungen gestellt, die sie nie erfüllen werden können - dies erzeugt Frustrationen, ein emotionaler Teufelskreis entsteht.
Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von gegen 80 Jahren ist ein Versprechen wie „bis dass der Tod euch scheidet“ wohl etwas zu optimistisch…, wenn nicht sogar unehrlich; und der Spruch bedeutet logisch gesehen ja nichts anderes, als dass jede Partnerschaft einmal geschieden wird! Die monogame Ehe, wie wir sie kennen ist ein Relikt aus der Zeit der christlich geprägten Agrarwirtschaft. Die Zeiten haben sich aber stark verändert und die meisten für uns Menschen wesentlichen Dinge haben sich dem Wandel angepasst - nur die Ehe sollte auf immer und ewig gleich funktionieren?
