Kein Polyamory-Buch, aber trotzdem eindeutig Poly-Basisliteratur. Der Ausgangspunkt ist ein „Liebes-Naturgesetz“, zu dem er in seiner paartherapeutischen Arbeit gekommen ist, und das er sehr überzeugend begründet:
„Bindung und Begehren sind auf Dauer ein Widerspruch.“
Der Hauptteil des Buches ist den unterschiedlichen Arten gewidmet, wie die Menschen mit diesem Widerspruch leben, im Rahmen von ausführlichen persönlichen Schilderungen, sie werden wertneutral nebeneinandergestellt. Kurz zusammengefasst sind das:
„Weg 1: Arrangierte Beziehungen (heißt, Partner haben sich mit schwindendem Begehren arrangiert) favorisieren Harmonie und billigen im Extremfall selbst die sexuelle Abstinenz. Also, Begehren wird zugunsten von Bindung und Dauer geopfert.
Weg 2: Distanzierte Beziehungen. Sie würdigen den Abstand als Bedingung der Leidenschaft. Also, Bindung wird zugunsten von Begehren und Dauer geopfert.
Weg 3: Serielle Beziehungen. Sie geben der Leidenschaft den Vorzug vor der Dauer und nehmen wiederholte Partnerwechsel in Kauf. Also, Dauer wird zugunsten von Begehren und Bindung geopfert.
Weg 4: Parallele Beziehungen. Sie ermöglichen die Vielfalt in der Pflege gleichzeitiger Beziehungen. Die gelockerte Bindung ermöglicht Begehren auf Dauer.
Weg 5: Kontrolliert freie Beziehungen. Sie gewähren im Rahmen ihrer exclusiven Beziehung der Sexualität mit anderen Partnern begrenzte Freiheit. Auch hier ermöglicht die gelockerte Bindung Begehren auf Dauer.“ (Zitat stark geändert.)
Unausgesprochen gibt es sozusagen den Weg 0, der des dauerhaft leidenschaftlichen und monogamen Paars, den zwar die meisten Paar- und Sexualtherapeuten anstreben und als Ideal preisen, das aber in der Realität noch nie beobachtet wurde (d.h. Mary hat es noch nicht beobachtet, und mir geht es genau so.)
Wege 1 bis 3 sind die exklusiven Partnerschaften, Poly-Lebensweisen würden sich auf die Wege 4 und 5 aufteilen. Das erste Beispiel für Weg 4 schildert eine richtige dauerhafte Poly-Partnerschaft. Aber es sind bei Weg 4 und 5 auch Beispiele, die nicht als Polyamory qualifizieren, z.B. langdauernde heimliche Nebenbeziehungen - halt alles Beispiele aus dem Leben.
Mir hat das Buch geholfen, mich nicht zu sehr an Idealvorstellungen (auch Poly-) zu heften, sondern mehr auf die Lösungen zu schauen, die sich aus dem Leben ergeben, ohne sie abzuwerten oder zu verurteilen.
–
P.S.: Es geht in dem Buch nur um auf Liebe und Begehren begründete heterosexuelle Lebenspartnerschaften, andere Lebensmodelle werden nicht behandelt. Es ist der Fokus, der sich aus Marys Arbeit als Paartherapeut ergibt.
