Ein Mädchen

Ein Mädchen; mit sechs ist das Leben zu Ende.
Ein Mann kommt ans Bett, hat eklige Hände.
Der Vater zumeist, doch das ist egal,
ein Schwein ist es immer. Und dann kommt die Qual.

Es folgen die Jahre in Pein und in Not,
sie wünscht sich das Schönste: sie wünsch’t, sie wär tot.
Nun gibt es sie eigentlich nicht mehr so richtig,
sie läuft noch herum, als wär’ das noch wichtig.

Das Monster hat nun ihr Leben zerstört.
Und sie denkt von sich: ich hab nichts verwehrt.
Sie hält sich von da an für Schmutz und für Dreck.
Von nun an wirft sie sich täglich weg.

Je älter sie wird, umso größer der Schmerz,
sie wird nicht mehr fertig, ihr blutet das Herz.
Das Herz, das ist offen, die Wunde heilt nicht,
es ist so, wie wenn eine Tasse zerbricht:

du flickst sie, kannst trinken, jedoch den Klang,
den kriegst du nie wieder, nur Abgesang.
Siehst du eine Frau, die aussieht wie stark,
dann frag dich, ob das eine Rüstung sein mag.

Außen ist Eisen, doch hinter’m Scharnier:
ein sechsjährig’ Mädchen, waidwund wie ein Tier.
Das erste Mal, mit sechs, war der Tag,
den nichts mehr im Leben zu ändern vermag.