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Tipps & Infos aus der Praxis

Auch wenn unsere heute real existierende Gesellschaft in polyamorer Hinsicht alles andere als ideal erscheinen mag, so müssen diejenigen unter uns, die ihr polyamores Leben hier und jetzt verwirklichen wollen, dies dennoch im Rahmen eben dieser Gesellschaft bewerkstelligen. Auf dieser Seite findest Du daher im deutschsprachigen Raum umsetzbare Tipps und Informationen, die sich für unseren polyamoren Alltag als sinnvoll herausgestellt haben.

Die folgende Auflistung mag ein Beginn sein; solltest Du Fragen haben, die hier (noch) nicht beantwortet werden, so bist Du herzlich eingeladen, diese Seite zu vervollständigen, indem Du Deine Fragen entweder in einer Mail an unsere Mailingliste stellst, oder - noch besser - sogar schon Antworten darauf weißt, die Du ebenso dort posten kannst. Es kümmert sich dann auch jemand um die Umsetzung auf dieser Seite hier. Am besten wäre es natürlich, Du meldetest Dich für die Ausgestaltung dieser Seite direkt zum Mitmachen an ;-).


Patientenverfügung

Deutschland

Es gibt in Deutschland zwei verschiedene Schriftstücke (eigentlich drei), die manchmal durcheinander kommen (am sichersten sind die Vorlagen der Bundes- und Landesministerien):

  1. Patientenverfügung:
    Inhalt: wenn ich mich selber nicht äußern kann, dann will ich, daß folgendes mit mir geschieht: (Beispiel Wachkoma - Ernährung ja/nein)
  2. Vorsorgevollmacht:
    Inhalt: wenn ich mich nicht selber äußern kann, dann soll(en) folgen(de) Personen für mich entscheiden dürfen, was zu tun ist. Dafür ist die Frage der Verwandtschaft völlig irrelevant, wenn es ein Vertrauensverhältnis ist, kann das auch der Postbote sein.
    In der bayerischen Variante kann man auch angeben, wer es explizit nicht darf.
    Der Bevollmächtigte darf aber nur entsprechend der Patientenverfügung agieren, falls es eine gibt.
  3. (Betreuungsverfügung):
    Sollte aus irgendwelchen Gründen ein gesetzlicher Betreuer notwendig sein, welcher vom Amtsgericht bestellt werden muss, so kann man darin angeben, wen man gerne hätte. Erspart dem Gericht Arbeit und erhöht die Chance, daß es die betreffende Person wird. Ist aber bei einer Vorsorgevollmacht meist nicht nötig.

Daraus ergibt sich, daß die Vorsorgevollmacht wesentlich ist für die Frage, welche Personen (insbesondere bei polyamoren Beziehungen) entscheidungsberechtigt sind. Dies Vorsorgevollmacht sollte dann unbedingt durch eine Patientenverfügung ergänzt werden. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht erforderlich.

Links dazu:


Schweiz

Die Schweiz kennt als Besonderheit für das Zusammenleben unverheirateter Partner das Konkubinat. Im Rahmen dessen ist es wichtig, das gegenseitige Besuchsrecht zu regeln für den Fall, daß einer der Partner seinen Willen nicht mehr äußern kann: die „Schweigepflichtentbindungserklärung“.

Links dazu:


Österreich

Anders als in Deutschland (und der Schweiz?) ist in Österreich laut einem Mitglied unser Mailingliste eine notarielle Beglaubigung all dieser Verträge zwingend erforderlich.

Links dazu:



Sexuell übertragbare Krankheiten (STD)


Wer sicher gehen will, dass er sich nicht in der Vergangenheit evtl. schon infiziert hat, sollte sich testen lassen.


Wie läuft so ein Test ab?

Normalerweise so (bei Gesundheitsämtern, Aidsberatungsstellen etc.; auf Wunsch auch anonym):


Wo kann ich einen solchen Test (evtl. kostenlos) machen lassen?


Deutschland

Gesundheitsämter

Im örtlichen Gesundheitsamt kann normalerweise anonym und kostenlos (oder gegen eine geringe Gebühr) ein HIV-Test gemacht werden. Es bietet sich an, beim Gesundheitsamt nach Testmöglichkeiten auf andere sexuell übertragbare Krankheiten zu fragen, einige Gesundheitsämter bieten dies an. Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung listet alle Aids-Beratungsstellen und Gesundheitsämter mit Testmöglichkeit in Deutschland auf.

In Berlin bieten sich die bezirklichen Gesundheitsämter an. Diese bieten über das Thema STD hinaus noch weitere Hilfestellungen an (Verhütungs-, Schwangerschafts-, Paarberatung etc.)

Angebote zu STD:

- kostenlose Beratung zur sexuellen Gesundheit: das heißt Beratung und Untersuchung, und ggf. Behandlung, Beratung zum Themenkreis HIV/AIDS. Das ganze ist ohne vorherige Terminvereinbarung möglich, wenngleich diese gern gesehen wird.

- Auch Medikamente bekommt man scheinbar gleich vor Ort und ohne Zuzahlung. Der HIV Test kostet eigentlich 10 Euro, die einem aber erlassen werden, wenn man ein geringes Einkommen hat (falls nicht danach gefragt wird: angeben).

Die Wohnortbindung bezüglich der Bezirke ist aufgehoben, man kann sich also frei aussuchen, wo man hingehen mag.

Links dazu:


Aidsberatungsstellen

Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung listet alle Aids-Beratungsstellen in Deutschland auf.

Arztpraxen

Gute Erfahrungen wurden auch mit schwulen Praxen mit Schwerpunkt HIV-Beratung und -Behandlung gemacht. Adressen solcher Praxen erfährt man z.B. im örtlichen queer/schwul/lesbischen Magazin (in Berlin ist das die Siegessäule, in Hamburg der Hinnerk usw.). Man kann sich in diesen Praxen als polyamor/bisexuelle Lebenspartner outen mit dem Ergebnis, evtl. als Angehörige einer Risikogruppe für HIV-Tests und Hepatitis-Impfung nichts zahlen zu müssen (die Kosten werden in diesen Fällen von den Krankenkassen übernommen). Der Vorteil solcher Praxen: kompetente Beratung und genaue Kenntnisse über die gesetzlichen bzw. krankenkassenrelevanten Regelungen für Risikogruppen.


Österreich

HIV-Tests werden in Österreich von der Krankenkasse bezahlt. Eine Laborzuweisung vom praktischen Arzt genügt. Ist der Test im Rahmen anderer Bluttests verordnet erklären sich Labors manchmal bereit die Verordnung zu splitten. Besser ist es allerdings eine seperate Zuweisung zu haben.

In der Regel zahlt die Kasse 1x im Quartal (kommt auf die Krankenkasse an). Bei Risikoberufsgruppen oder konkretem Verdacht auch öfter.

Hepatitisserologie wird auch von der Krankenkasse bezahlt. Für die Titerbestimmungen (quantitative Bestimmung der vorhandenen Antikörper gegen eine Infektion) bei Risikoberufsgruppen, wie auch für die Impfungen ist die AUVA (Arbeitsunfallversicherungsanstalt) zuständig. Zu veranlassen über den Betriebsarzt oder durch Direktkontaktaufnahme.


Femidome, Kondome

Neben Kondomen bieten die noch relativ unbekannten Femidome („Kondom für die Frau“) einen guten Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten. Für Menschen, die mit Kondomen Schwierigkeiten haben, können sie eine Alternative sein. Leider kosten Femidome deutlich mehr als Kondome. Sie werden selten im Handel angeboten, können jedoch in der Apotheke oder in einschlägigen Internetshops bestellt werden.

Die Schweizer Aidshilfe bietet Femidome zu Stückpreisen von 1,50 CHF (ca. 0,90 EUR) an. Für Bestellungen außerhalb der Schweiz ist jedoch eine Auslandspauschale von 25,- CHF zu beachten.

Wer 'normale' Kondome nicht mag, hatte bisher vielleicht einfach nicht die richtige Größe. Unter den Suchstichworten „richtige Kondomgröße finden“ stößt man online auf Rechner, die aus Länge und Umfang die passende Kondomgröße vorschlagen, von extra klein über extra breit bis hin zu extra lang. Auch latexfreie Kondome können eine interessante Alternative sein, sie sollen auch für Frauen angenehmer sein. Die speziellen Kondome findet man im Handel oder in einschlägigen Online-Shops (Suchstichworte: Kondom, latexfrei, XXL, XS).

Diese Online-Shops bieten auch interessante Preise für Großpackungen 'normaler' Kondome und liefern in aller Regel in völlig diskreter Versandverpackung.


Reisemöglichkeiten

Zahlreiche polyamore Beziehungen sind Fernbeziehungen; auf die Dauer stellt sich da die Frage, wie sich günstig die Entfernung von A nach B zurücklegen läßt. Folgende Möglichkeiten, mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen, haben sich in der Praxis bewährt:

Deutschland

Bahn: Einzelfahrten mit der Deutschen Bahn sind relativ teuer; eine Bahncard 50 reduziert zwar die Preise um die Hälfte, kostet selbst aber auch nicht gerade wenig. Leider hat die Bahn die bisher geltenden Sparpreise, die in Kombination mit der Bahncard 25 relativ günstige Fahrten ermöglichte, im Dez. 2011 ersatzlos gestrichen.

Sogenannte Dauerspezialpreise sind flexibler, als es die Sparpreise waren, haben aber ebenso Zugbindung und müssen maximal 3 Tage vor Abreise gebucht werden (wobei sie meist lange vorher ausgebucht sind).

Weiterhin können regionale Angebote interessant sein, z.B. die Ländertickets bei denen innerhalb eines Bundeslandes einen Tag lang Nahverkehrszüge und Busse benützt werden können.

- Vorteile: die Fahrt ist angenehm und oft schneller als mit dem Auto, eigene Kinder reisen bei Bahncard-Inhabern kostenlos mit. Tickets lassen sich im Internet buchen.

- Nachteile: ggf. müssen Reisen schon lange vorher fest gebucht werden.

Auto: Wer selbst ein Auto hat und Kosten sparen will, oder wer gerne mitfahren möchte, für den bieten sich Mitfahrgelegenheiten übers Internet an. Bei vorstehender Seite werden - im Gegensatz zu kommerziellen Mitfahrzentralen z.B. hier - keine Gebühren für die Vermittlung fällig.

- Vorteile: es kann relativ spontan gereist werden; Angebote kommen oft erst einen Tag (oder noch kürzer) vor dem Reisetermin herein. Man macht meist interessante, nette Bekanntschaften mit den Mitreisenden/Fahrern.

- Nachteile: es gibt keine Garantie, dass die vereinbarte Fahrt auch tatsächlich stattfindet; allerdings gibt es für manche Fahrten mittlerweile ein Buchungssystem, das zu mehr Verbindlichkeit führt. Erfahrungsgemäß sind Ausfälle bei den Fahrern aber auch sonst selten; Mitfahrer sind da schon eher mal unzuverlässig. Man weiß auch nicht, mit wem man dann auf engstem Raum aufeinanderhockt; ein gewisses diplomatisches Geschick kann u.U. von Vorteil sein.

Flugzeug: Durch zahlreiche Sparangebote ist fliegen nicht selten die günstigste Möglichkeit, vor allem auch größere Entfernungen schnell zurückzulegen. Man sollte aber vorsichtshalber darauf achten, dass die Angebote keine versteckten Zusatzkosten wie Flughafengebühren etc. enthalten. Günstige Flüge bieten beispielsweise German Wings, AirBerlin, Ryan Air, TuiFly. Mittels z.B. Trabber kann man aus diversen Billigangeboten die günstigsten suchen lassen. Ebenfalls ein interessanter Link bekamen wir von Tobias. Er empfiehlt Skycheck mit dem man auch zu den günstigsten Angeboten kommt.

- Vorteile: kurze Reisezeit, mitunter sogar preiswerter als eine Mitfahrgelegenheit.

- Nachteile: langer Buchungsvorlauf, Reisen müssen also lange vorher geplant werden. Kaum verläßlich regelmäßige Angebote. Hin- und Rückfahrt zum/vom Flughafen lässt den Zeitvorteil schmelzen.


TV-Mitschnitte

Deutschland, Österreich, Schweiz

Oft erfährt man - z.B. in unserer Mailingliste - von Sendungen zu polyrelevanten Themen in irgendwelchen dritten Programmen, die entweder am eigenen Wohnort nicht zu empfangen oder schon gelaufen sind etc. Für all diese Fälle bieten sich zwei Möglichkeiten an: der (werbefinanzierte) Dienst OnlineTvRecorder und das kleine Open-Source-Programm MediathekView.

OnlineTvRecorder

Es handelt sich dabei um einen sog. Online-Recorder: einen Internetdienst, der wie ein heimischer Videorecorder das Aufzeichnen von TV-Sendungen erlaubt, nur eben statt zu Hause zunächst auf den Servern dieses Dienstes, dem man dafür zuvor per Klick einen entsprechenden Auftrag erteilen muß. Dadurch gilt der Mitschnitt als - rechtlich legale - Privatkopie. Anschließend erhält man eine verschlüsselte Videodatei, die nur mit dem Account entschlüsselt werden kann, unter dem man zuvor den Auftrag erteilt hat. Der Dienst ist werbefinanziert und dadurch kostenlos, aber wer die Werbung nicht mag, kann sich auch für 0,50 EUR/Monat einen werbefreien Premium-Account zulegen.

Dieser Premium-Account (entweder bezahlt oder durch Betrachten von Werbefenstern zusammengeklickt) empfiehlt sich sowieso: wer nämlich einen Premium-Account hat, kann u.a. eine sog. „Get-It-All-Wish-List“ anlegen. Damit erteilt man permanent den Auftrag zur Aufzeichnung aller Sender rund um die Uhr und kann sich anschließend jede gewünschte Sendung herunterladen (de facto also auch im Nachhinein). Das Downloaden selbst ist nur zwischen 0:00 und 8:00 kostenlos; außerhalb dieser Zeiten bieten sich aber für kostenlose Downloads Spiegelserver („Mirror“) an, auf die weiter unten auf jeder Downloadseite zu einer Sendung hingewiesen wird. Die Sendungen werden in der Regel etwa 14 Tage vorgehalten.

Näheres zum OnlineTvRecorder siehe auch im Wikipedia.

MediathekView

Dieses kleine Programm listet einem alle von den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen TV-Sender vorgehaltenen Sendungen auf; man kann sie dann auswählen, ansehen und auch downloaden.